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ICH BIN EIN GRUFTI - UND DAS IST AUCH GUT SO!
Ich rutsche ab und meine Eltern machen sich sorgen Ein Morgen wie jeder andere auch. Eine lange Nacht liegt hinter Dir und zu allem übel hast Du auch noch verschlafen. Die erste Schulstunde ist bereits voll im Gange und es fällt Dir wie Schuppen von den Augen: ''Verdammt, heute war doch die Mathearbeit!''.
Allmählich fühlst Du Dich zum aufstehen bereit. Der Schädel dröhnt und der Magen rebelliert gegen die schwere Brühe der restlichen Promille. Du gehst ins Badezimmer und wirfst einen Blick in den Spiegel. ''Mann!'', denkst Du, ''sehe ich scheiße aus!''. Die langen blonden Haare sind zersaust und irgendwie in den tiefschwarzen Augenringen müssten auch noch zwei Augen sein.
Als wenn es Dir nicht schon schlecht genug gehen würde, fällt Dir ein, dass Dein tyrannischer Vater Dir aufgetragen hat, den großen Vorgarten zu Mähen, mit einem Handrasenmäher!
Deine Mutter verzweifelt inzwischen vor der verschlossenen Badezimmertür und fängt auch noch vor lauter Kummer an zu heulen.
Alles in allem ein verdammt mieser Morgen. Du kannst es gar nicht erwarten, wie sich das Gesicht des Tages noch verzerren wird. Die Schule lässte ausfallen und anstelle den Rasen zu mähen, hockst Du vor dem Fernseher.
Du bist 17 Jahre und bekommst noch immer kein Taschengeld. Das Handy wurde Dir auch eingezogen. Die Schule verläuft längst nicht mehr so locker wie früher und die Noten fallen wie der Euro im Kurs.
Die Welt ist schlecht und Du weißt genau, dass sich etwas ändern muss.
Du verfällst in Selbstmitleid, zwangsläufig. Stark wie Du bist, versuchst Du erst gar nicht gegen die ersten Tränen anzukämpfen. Deine Gedanken kreisen um all die Missgeschicke, welche Dir in den letzten Jahren unterliefen:
• Der Freund Deiner großen Schwester verarscht Dich ständig wegen Deinerblonden Zottelmähne;
• Dein Basketballtrainer lässt Dich öfter auf der Bank sitzen als spielen;
• Deine Nikeschuhe sind nun drei Wochen alt, also out!
• Alle haben einen Führerschein, nur Du nicht
• (...)

Du verkriechst Dich vor lauter Trauer über Dich selbst unter Deiner Bettdecke, im Fernsehen läuft Werbung. Wie Du so daliegst und Dich richtig schlecht fühlst, berichtet ein Boulevardmagazin über das diesjährige Zillo-Festival. Schwarze Menschen, schwarze Herzen, gemeinsamer Kampf gegen das eigene Elend! Unbemerkt zog Dich die Vorstellung, selbst ein Gruftie zu sein unheimlich in den Bann. Plötzlich geht es Dir besser und Du beschließt:

Ich werde ein Gruftie, und das ist gut so!
Ich bin ein Gruftie ...und das ist auch gut so!
Vor einer Woche hast Du Dich entschlossen, ein Gruftie zu werden. Was Du zum Zeitpunkt Deines Entschlusses jedoch nicht bedacht hast, war die Tatsache, dass es gar nicht so leicht ist, ein Gruftie zu sein. Die einzigen drei Grufties die Du kennst, sind das Pärchen an Deiner Schule und die Kassiererin im Aldi (Wo Aldi guten Sachen herkommen!).
Bestandsaufnahme: Du bist knapp 1.80 groß und hast blondes, zotteliges Haar bis zu den Schultern. Deine Nikeschuhe sind schon längst out und die FUBU - Hosen trägst Du auch nicht mehr so gern wie vor einer Woche. Was Dich jedoch am meisten stört, sind die ganzen ''Ghetto-Poster'' an Deiner weißen Zimmerwand. ''Ein Gruftie lebt anders, und sieht vor allem anders aus!'', denkst Du Dir und fährst mit Deinem Fahrrad, welches keinen Dynamo mehr hat, zum nächsten Drogeriemarkt. Da alle, aber auch wirklich alle Grufties schwarze Haare haben, die an Deiner Schule auch, sogar die Kassiererin bei Aldi, kaufst Du Dir ein Päckchen Haarfarbe. Bezahlt mit dem geklauten Geld aus dem Geldbeutel Deiner Mutter steigt die Vorfreude in Dir auf.
Beinahe glaubst Du, etwas glücklich zu sein, doch als Gruftie fühlt man kein Glück.
Schnell das Gefühl versteckt, begibst Du Dich ins Badezimmer. Ein kurzer Blick noch in den Spiegel, wo sich die blonden, sehr gut gepflegten Haare im Schwung Deiner Bewegung winden, und los geht's.Gerührt, eingearbeitet, gewartet, gepinkelt und ausgewaschen.
Alles klar, Haare sind schwarz. Aber nein, nicht nur die: Ohren schwarz, Stirn schwarz und das Goldkettchen ist auch schwarz. Scheiße! Gerubbelt und geschrubbt, die alte Handpaste von Oma hat auch nichts genützt.
Trauer über Dein eigenes Versagen durchzieht Deinen Körper. Doch warte, so schlimm ist es auch nicht. Und wie gut die Haare aussehen! Du fühlst Dich jetzt im Moment richtig gruftig.
''So richtig extrem krass geil gruftig'', sagst Du leise zu Dir selbst.
Da Du nun ein Gruftie bist, hast Du Deinen alten Freunden den Laufpass gegeben, bis auf Mark von nebenan.
Mark ist Metaller und demnach auch schon fast ein Gruftie.
Dein Vater ist entsetzt und gibt Dir Hausverbot als er sieht, was Du mit Deinen Haaren angestellt hast und Deine Mutter weint den goldenen Löckchen hinterher.
''Was sollen die Nachbarn bloß sagen?'' ist das letzte was Du von Deinen Eltern hörst, bevor Du Dich in Deinem Zimmer eingeschlossen hast. Du fühlst Dich so was von cool, der Gruftiismus scheint genau Dein Ding zu sein.
Für morgen, einen schulfreier Samstag, hast Du Dir fest vorgenommen, Dich mit schwarzer Kleidung einzudecken. Mit diesen Gedanken geht dem Tag das Licht aus und Deine Augen fallen zu. Du träumst von Dir selbst, dem Gruftie aus Deiner Stadt.
Ein Gruftie kleidet sich neu ein...
Deine Nacht war verdammt unruhig, hin und her hast Du Dich gewälzt.
Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln Dich aus dem Halbschlaf. Heute ist Samstag, schulfrei und voller geplanter Ereignisse.
Mit dem Bus bist Du pünktlich zur Ladenöffnungszeit in der City angekommen, nachdem Du Deiner Oma zum 86. Geburtstag per Telefon gratuliert hast.
Noch in dem Moment des ausgesprochenen ''Herzlichen Glückwunsch'' überkamen Dich Zweifel über diese Tat.
''Ist es gruftig Deiner Oma zum Geburtstag zu gratulieren?''. Egal, gesagt und getan, was soll's.
Du geht's also durch die schon jetzt stark überlaufende Innenstadt und regst Dich über die lästigen Werbestände der Parteien auf, welche wie jeden Samstag die ohnehin engen Gassen zur olympischen Slalomdisziplin machen.
Deine Augen stehen im Adlermodus und sind auf der Suche nach schwarzen Menschen, denn Du hast nicht den leisesten Schimmer, wo Du Dir die gruftigen Klamotten kaufen kannst.
Schweren Herzens gehst Du an Deinen ehemals Lieblingsgeschäften vorbei, wie z.B. ''Stam Jore'' oder ''TMS''. Du kanntest jeden Verkäufer und im ''Stam Jore'' sogar die Inhaberin. Tja, unbeliebt warst Du garantiert nicht und das Taschengeld war auch nicht von schlechten Eltern, nämlich von Deinen eigenen. Nachdem Du 2 Stunden erfolglos durch die Menschenmengen geschlurft bist, keinen Gruftie ausfindig machen konntest, ist der Gedanke ans Aufgeben schon nah.
''COOOOL, da laufen ja zwei!!!''. Wie durch ein Wunder begegnen Dir zwei großgewachsene Schwarzmähnen in einer Seitenstraße. Sie kommen aus einem kleinen Geschäft, welches Dir zuvor nie ins Auge gefallen ist:
''Keufelstüche''. Im Schaufenster hängen schwarze, mit sehr viel Spitze gezierte Kleider, Nachbildungen von Totenschädeln und fantasiereiche Kerzen schmücken den Boden.
Du bist genau richtig! Deine ersten Schritte in die ''Keufelstüche'' hinein sind etwas zittrig.
Du fühlst Dich beobachtet und irgendwie fehl am Platze. Der Verkäufer sitzt gelangweilt hinter dem kleinen, provisorisch anmutenden Tresen. Er hat langes Haar, durchs alter schon etwas ausgedünnt und seine Plauze kann er auch nicht mehr hinter dem Rüschenhemd verstecken.
Er blättert gerade in einem Piercingmagazin rum und nimmt kaum Notiz von Dir.
Im Hintergrund tummeln sich einige Grufties um den Tresen herum und quatschen über belangsloses Zeug.
Der Aschenbecher in form einer skelettierten Hand ist gefüllt bis zum Rand mit alten Kippen.
Da stehst Du nun mit Deinen frisch geschwärzten Haaren, Deiner gelben FUBU - Hose und den weißen Nike-Sportschuhen. Hilflos und allein in einer Welt, die Dich unbehaglich werden lässt. Aber Du nimmst all Deinen Mut zusammen und gibst Dir selbst noch einen Vorschuss dazu und beginnst zu shoppen. Ein schwarzes Hemd hier, eine Nietenhalskette da, schwarze 21loch Stiefel sowie eine mit Schnallen verzierte Bondagejeans. Vollgepackt verziehst Du Dich hinter dem plastischen Vorhang der Dixiklo -Umkleidekabine, nachdem die anwesenden Schwärzlinge Dich mit einem merkwürdigen Grinsen von oben bis unten gemustert haben. Du glaubst Deinen Augen nicht trauen zu können, als Du Dich in voller Montur vor der Umkleide im Spiegel siehst. Aus dem einst braven Muttersöhnchen wird jeden Tag mehr ein Gruftie, ''WOW!''.
Leicht gerötet kehrst Du hinter den Vorhang zurück, denn vor lauter Begeisterung hast Du das WOW nicht leise zu Dir selbst, sondern laut ausgesprochen. ''Was soll's'', Du behältst Deine neuen Sachen schon jetzt an und lässt die alten Sportklamotten in der Umkleide liegen.
Bevor Du zum Bezahlen schreitest, ja genau, Du schreitest, denn die coolen Klamotten verleihen Dir sehr viel Selbstbewusstsein, so dass Dich die Blicke der anwesenden Grufties nicht mehr stören, ganz im Gegenteil.
''Schaut mich an, ich gehöre zu Euch!'', sagst Du diesmal wirklich leise zu Dir.
Noch zwei Hosen, drei T-Shirts mit Motiv, eines ohne, das schwere Patchouli -Parfüm-Öl, vier schwarze Kerzen, unzählige Halsketten und Armbänder, 9 Ringe und etwas Sprühspinnengewebe ausgesucht, dann kann es zur Kasse gehen. Da Du nur einen kleinen himmelblauen Benettonrucksack hast, und die Massen Deines Einkaufs diesen überlasten würden, kauft Du noch einen schwarzgefärbten Armeerucksack dazu.
Jetzt ist die gesamte Aufmerksamkeit aller 6 Anwesenden Grufties auf Dich gerichtet.
Das anfänglich hämische Grinsen ist purer Neugier gewichen.
Während der dickbäuchige Kassierer seine Rechnung erstellt, spricht Dich eines der beiden Mädchen an: ''Wie heist´n Du, Kleiner?''. Etwas unsicher antwortest Du auf die unerwartete Frage:
''Ste... Ste... Stefan''. ''Du bist neu hier, oder Stefan?''.
''Eigentlich .., ja doch, ziemlich''.

''Dann komm doch Mittwoch Abend mal ins ''Mähtro!''.
Ein anderer Gruftie scheint nicht so freundlich zu sein: ''Eh, lass doch
diesen Abfall in Ruhe!''. Obwohl das Gespräch zwischen Euch reichlich kurz war, fühlst Du Dich in Deiner Überzeugung bestätig.
Du bist richtig in dieser Szene!
Die Rechnung dafür reizt Deine Ersparnisse weit aus: 1.300, 66 DM!.
Zum Glück wurdest Du vor einem halben Jahr Konfirmiert und die abgefallene Kohle reicht locker aus. Auf dem Nachhauseweg bemerkst Du die verstörten Blicke Deiner Mitmenschen, viele drehen sich sogar extra um, damit sie Dich sehen können. Dieses Verhalten zaubert ein zufriedenes Grinsen auf Deine Lippen und mit vorgestreckter Brust steigst Du in den Bus ein.
Aufregender Morgen.
Das Zimmer wird zum Kunstwerk
Kaum bist Du zu Hause abgekommen, brüllt Dich Dein Stiefvater an. Er wirft Dir Dein neues Aussehen vor, wie ein Straßenpenner, ein Asozialer oder schlimmeres. Doch stört Dich sein Gebrüll weniger als das immer verzweifelndere Geheule Deiner Mutter. Der Freund Deiner Schwester hat Dich auch nicht, wie sonst üblich, beleidigt. Nach der väterlichen Predigt verschließt Du Deine Zimmertür von innen.
''Jetzt bin ich ein echter Gruftie!''. Die Ghettoposter nimmst Du von der Wand, die Prollklamotten aus dem Schrank und die HopHip Cd´s aus dem Ständer.
Alles in einen großen gelben Sack, mit Schleife zugebunden und in den Keller geräumt. Jetzt ist es soweit: Dein vollgestopfter Rucksack wird über dem Bett geleert. Eine prächtige Ausbeute!!! Du verstaust Deine neuen Klamotten in den leeren Kleiderschrank, nachdem Du die weißen Tennissocken entfernt hast und die 4 Kerzen stellst Du an die dekorativsten Stellen in Deinem 9qm großen Zimmer. Eine kleine Lichterkette aus dem hölzernen Wohnzimmerschrank Deiner Eltern verleiht an die Decke gehängt eine stimmungsvolle Atmosphäre zum Schein der Kerzen. Natürlich hast Du Deine Rollladen ganz nach unten gezogen, um ein möglichst dunkles Zimmer zu bekommen.
Währenddessen macht Deine verheulte Mutter einen Termin für Dich in zwei Wochen beim Psychiater.
Sie macht sich große Sorgen und kann in diesem Zustand nicht zum
allwöchentlichen Bridgedamenabend in der Kneipe an der Ecke. ''Was sollen bloß meine Kegeldamen dazu sagen, wie mein Kind jetzt rumläuft?''.
Sie schämt sich so sehr und ist seit Tagen damit beschäftigt, sich zu Fragen, was sie wohl falsch gemacht hat.
Aus einer alten Wasserpfeife hast Du Dir eine ''Kerze unter dem Patchouli - Parfüm - Öl'' - Vorrichtung gebaut, die den gesamten Raum in ein duftendes Paradies verwandelt hat.
Der Fernseher ist auf Stumm geschaltet und aus den Boxen Deiner Anlage kommt ebenfalls kein Ton. Nachdem Du Deine neuen Stiefel ausgezogen hast, da sich das harte Leder noch nicht an die form Deiner Füße angepasst hat, beginnst Du mit dem Sprühgewebe die Zimmerecken zu verzieren. Sprüh, sprüh, sprüh ...
''Boah ist das gruftig!''. Zwar ist die alte Sprayerdose von unter Deinem Bett nur noch zur Hälfte mitschwarzer Farbe gefüllt, doch zum abdunkeln Deiner weißen Zimmerwände reicht der Inhalt alle mal aus. Jetzt, 4 Stunden nach Deiner Ankunft, ist das Gesamtkunstwerk ''eigenes Zimmer'' fertig.
Du fühlst Dich so was von gut, Du könntest laut schreien, Nackt durch die Straßen rennen und 13 Schokopudding essen, oder so ähnlich - tust es aber nicht, denn jetzt kommt im Fernsehen ''Talk Talk Talk''.
Grufties gehen doch auf den Friedhof!
Es ist die Nacht von Samstag auf Sonntag, irgendwo zwischen 02.00 Uhr und 02.06 Uhr.
Du konntest nicht schlafen und bist mit einer teuren Flasche aus dem stiefväterlichen Weinkeller nach draußen gegangen. Von der Tankstelle kaufst Du Dir Dein erstes Päckchen Zigaretten, ''Black Death'' natürlich und gehst zielstrebig auf den naheliegenden Friedhof. Die Gänsehaut auf Deinem Nacken ziert nicht von dem lauen Sommerwind, aber Du bist mutig und lässt Deine ängstlichen Momente hinter Dir. Der Vollmond scheint hell am wolkenlosen Firmament der sternenklaren Nacht. Die Schatten der Grabsteine fallen sanft auf die feuchte Erde der Totenstellen.
Du setzt Dich unter das meterhohe Kreuz des Kriegsdenkmals und lehnst Dich an den warmen Stein. Die beiden Grabkerzen hast Du aus dem Küchenschrank Deiner Mutter geklaut und das teure Silberfeuerzeug mit Benzineinspritzvorrichtung wird Dein Stiefvater sicherlich auch schon vermissen. So sitzt Du nun da, mit Deinen beiden rötlichen Kerzen, dem schweren Duft des Patchouliöl auf Deinem Nacken, welches Deine Haut zum jucken anregt, dem bitteren Rotwein und der Zigarette im Mundwinkel, dessen Rauch Dich selbst beim Paffen im Hals kratzt.
Seltsamerweise bist Du der einzige Gruftie auf diesem Friedhof, der Gesang der Eulen ist neben dem entfernten Autobahnverkehr das einzige vernehmbare Geräusch weit und breit.
Dein beschwerlicher Weg ein Gruftie zu werden ist dem Ziel nahe und Du stellst Dir in Gedanken die erste Nacht im ''Mähtro'' vor. ''Warum kann sie nicht schon heute Nacht sein?''. Zu gern würdest Du nun unter Deinesgleichen sein und Dich über Deine Erfahrungen als Gruftie austauschen.
Aber Du sitzt nun auf dem Friedhof und beschließt, die Flasche Wein auf Ex zu trinken. Dem zerschmettern des Glases an einem Marmorstein unter Dir folgt eine Ladung frischer Weinkotze aus Deinem Munde. Dir ist übel, Dein Hals kratzt und die Schachtel Zigaretten hast Du innerhalb von zwei Stunden aufgebraucht. Aber das war es wert, denn ein echter Gruftie geht auf den Friedhof, wenn er Ruhe braucht und wieder zu sich selbst finden möchte.
Der Nachhauseweg ist beschwerlich. Noch immer musst Du ständig brechen und die neuen Stiefel bringen Dich um.
Ich unterrichte keine Satanisten
Montag morgen. Mutter noch immer verheult. Stiefvater ist seit Gestern auf Montage, der Schwester und ihrem Freund einen Koitus Interruptus unter der Dusche verpasst. Alles klar für den ersten Schultag als echter Gruftie.
Deine Mundwinkel sind von der ständigen Kotzerei schon ganz wund geworden, aber die Penatencreme wirkt wunderlich gut.
Das Kling Klang Deiner Hals-, Arm- und Beinketten schallt echoverschmückt durch den Flur Deiner Schule. Du ziehst eine schwere Duftwolke hinter Dir her. Alle gucken Dich entsetzt an. Du kannst die Worte ihrer Blicke lesen, jede Mine spricht Bände: Angst, Ungläubigkeit, Bewunderung und Ekel. Deine Schritte sind selbstsicher und fest, denn über die Blasen an Deinen Füssen hast Du Hühneraugenpflaster geklebt.
Die Glocke bimmelt und die Stunde beginnt. Dein Klassenlehrer öffnet den Klassenraum und Du setzt Dich an Deinen gewohnten Platz, zweite Reihe vor dem Lehrerpult. Der Platz neben Dir ist leer, den Dein ehemaliger Klassenkamerad Uwe hat sich von Dir weggesetzt mit den Worten:
''Du bist echt fertig!''.
Nach der Begrüßung beginnt der Lehrer mit dem Unterricht und da Du sowieso kein Faible für deutsche Geschichte hast, schaltest Du Deine Ohren auf Durchzug.
Alles scheint ruhig zu laufen bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Lehrer Dein Pentagramm an der Halskette sieht.
''Bitte packen Sie Ihre Sachen und kommen mit mir vor die Tür!''.
Leicht irritiert folgst Du seinen Anweisungen und gehst raus. Er verschließt die Tür hinter Euch und begegnet Dir mit forscher Stimme:
''Satanisten unterrichte ich nicht! Verlasse sofort meinen Unterricht und melde Dich beim Direktor!''.
Er geht zurück in den Klassenraum und lässt Dich draußen stehen. Du bist entsetzt über die Reaktion Deines Lehrers und anstelle die Tür Deines Direx zu öffnen, verschließt Du die Tür Deines Zimmers und legst Dich auf Dein Bett. Die beiden folgenden Schultage lässt Du auch ausfallen. Stattdessen treibst Du Dich auf Friedhöfen, in der City und am Badesee herum. Deine Eltern ahnen nichts von alledem, da sie viel zu sehr mit meckern und sorgen beschäftigt sind. Außerdem interessiert Dich sowieso die Meinung Deiner Eltern nicht mehr, Du bist schon 17 und ein Gruftie. Solln sie doch so weitermachen, das lässt Dich kalt.
Du freust Dich schon auf den heutigen Mittwoch Abend: Mähtro''-time.
Eine schwarze Nacht unter Gleichgesinnten
Heute Nacht ist es soweit. Du packst Dein Badehandtuch ein und fährst vom See zu Dir nach Hause. Die Frage Deiner Mutter nach dem heutigen Schultag ignorierst Du frech auf dem zu Deinem Zimmer, das Du neuerdings immer hinter Dir abschließt. Ein Gruftiemagazin namens ''Zillho'' versüßt Dir den Nachmittag mit den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Szene, Du willst schließlich heute Abend mitreden können. Aber NEIN, etwas wesentliches hast Du völlig vergessen, das Make up!
Ruckzuck geht es ab in die nächste Drogerie um die Ecke um das versäumte nachzukaufen.
Neben schwarzem Kajal und rotem Puder kaufst Du weiße Theaterschminke, denn alle Grufties tragen sie. Zudem besorgst Du Dir eine schwarze Netzstrumpfhose, die Du anschließend zerschneiden und als Armzierde tragen kannst. Der Abend rückt näher und die Spiegelschminksession beginnt. Zuerst die Haare streng zurückkämmen und mit Naßgel zu einem Pferdeschwanz formen.
Das Gesicht wird mit der weißen Theaterschminke zugedeckt. Das Gebiet um die Augen werden mit dem roten Puder bemalt und der Kajal dick unter die Augenränder. Um Deine Augenbrauen größer aussehen zu lassen, ziehst Du diese mit dem Kajal ungefähr 2cm länger. Perfekt, Du siehst aus wie ein echter Gruftie.
Anschließend legst Du alle Deine Ketten, Ringe und Nietenbänder an, das Patchouliöl tropfst Du diesmal auf die Haare, da die Haut im Nacken schon ziemlich gereizt ist.
Fertig. Es ist 21.00 Uhr abends, der Bus kommt pünktlich 10 Minuten später.
Du setzt Deinen ersten Fuß auf die erste Stufe der Treppe, die in den Club hinein führt um 21.25 Uhr.
Du öffnest die Tür, Dein Herz schlägt schnell und die laute Musik dröhnt durch Deinen Körper hindurch. Den Eintritt hast Du bezahlt und die erste ''Black - Death'' - Kippe hängt bereits in Deinem Mund.
Der Puls rast, so aufgeregt und nervös warst Du noch nie in Deinem Leben, auf der Geburtstagsfeier Deiner Oma warst Du übrigens auch nicht, aber egal.
Seltsamerweise ist der Laden noch relativ lehr, was allerdings eher positiv
zu bewerten ist, da Du Dich erst mal mit einer Flasche Bier in der Hand akklimatisieren musst. Dem großen Bartresen direkt im Anschluss an den Kassenbereich folgt die kleine Tanzfläche. Schwarze Plastikfolie hängt von der Decke herab. Viel Blitz und Rauch, die Beleuchtung ist spärlich gehalten, nur ein paar Friedhofskerzen und dunkelfarbige Lichteffekte. Du gehst eine schmale Treppe hinauf, die zu einer weiteren Bar führt. Dieser Bereich ist leiser und eher zur Unterhaltung gedacht. 5 oder 6 Grufties sitzen an den Tischen und trinken Kaffee und irgendwelche Longdrinks. Sie widmen Dir ein paar kurze Blicke, wirken aber sehr verhalten. Eine weitere Treppe führt zu einem Raum, indem ein Tischkicker steht, zwei Tische mit Stühlen und die Eingänge zu den Toiletten.
Schnell noch eben gepinkelt, dann wieder runter zur Tanzfläche.
Mittlerweile ist es 23.00 Uhr vorbei und der Laden füllt sich. Du hast Dir mit 7 Flaschen Bier und drei Tequilla Mut angetrunken und fühlst Dich langsam etwas sicherer. Es wird wärmer und die Musik wird lauter. Noch nie hast Du diese Art von Musik gehört. Sie ist ziemlich technisch, dumpf, basslastig und manchmal unhörbar, dann dröhnt und knallt es nur, wie eine alte Dampfmaschine. Aber den Grufties scheint dieser Krach zu gefallen, also gefällt er Dir auch und Du wippst mit Deinem Stiefel im Rhythmus der Musik. Deine erste Schachtel Zigaretten ist leer, ebenso wie die 9 Flaschen Bier und der erste Cocktail. Noch immer hat Dich keiner angesprochen, außer um nach Feuer zu fragen.
Aber Du hältst Deine Laune angestrengt oben und gibst Dich überaus gut amüsiert. Die Stunde schlägt zur Mitternacht. Der Laden ist gerammelt voll und die Party geht ihrem Höhepunkt entgegen.
Der Alkoholrausch lässt Deine Aufregung verschwinden und endlich traust Du Dich auf die Tanzfläche. Sie spielen ein ruhiges Lied und der Refrain lautet ungefähr ''Machineman'' oder so. Die Grufties tanzen immer im Kreis.
Ein Schritt vor und einer zurück. Dazu sehr viele Handgestiken und der Kopf ist dem Boden zugeneigt. Es wirkt stark einschüchternd auf Dich, aber Du willst tanzen.
Unbeholfen zwängst Du Dich zwischen die tanzende Masse und versuchst es Ihnen gleich zu tun. Schritt hin und her, Arme rauf und runter, Stress! Du versuchst so stark nicht aufzufallen, dass genau das Gegenteil der Fall ist.
Deine Bewegungen sind verkrampft, Du spürst die Verbindung zwischen Rhythmus und Bewegung nicht mehr und zu allem über trittst Du einer barfüssigen Tänzerin mit Deinem Stiefel auf die Zehen. Klätsch, hast Du eine hängen und von allen Seiten erntest Du Pfiffe und Buhrufe. Du beginnst zu weinen, Deine Schminke verläuft im Meer der Tränen und dem laufenden Schweiß. Du versinkst vor Scham im Boden und flüchtest auf die Toilette, die neben der Tanzfläche zu finden sind.
Es dauert eine Zeit, bis Du Dich wieder gesammelt hast, bis die Kotze nicht mehr aus Deinem Mund läuft und das Karussellfahren in Deinem Kopf endet.
Dein Spiegelbild sieht echt schlimm aus. Dieser Abend ist gelaufen, und zwar ganz anders, als Du es Dir vorgestellt hast. Husch, husch, schleichst Du Dich raus und das Taxi setzt Dich vor der Haustür ab. Die Stubenuhr schlägt zur vierten Stunde, doch den vierten Schlag hörst Du nicht mehr, denn schon längst bist Du eingeschlafen.



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